Wenn die Tage immer länger und die Temperaturen milder werden, Vogelgezwitscher aus blühenden Baumkronen und Sträuchern erklingt, dann wissen wir, der Frühling ist da! Doch nicht für jeden ist diese Zeit des Jahres ein Grund zur Freude. Für manche bedeutet sie vor allem auch heftige Niesattacken und tränende Augen. Rund 10-20 % der europäischen Bevölkerung[1] leidet unter Heuschnupfen. Aber was ist das eigentlich? Und kann ausgerechnet ein pflanzliches Extrakt Linderung verschaffen?

 

Frau mit Heuschnupfen steht inmitten von Gräsern und putzt sich die Nase

In diesem Artikel informieren wir Sie zu Heuschnupfen und CBD und geben Ihnen ein paar praktische Tipps an die Hand, die Ihnen dabei helfen können, besser durch die pollenreiche Jahreszeit zu kommen.

 

 

Was ist Heuschnupfen?

Heuschnupfen ist eine im Volksmund häufige Bezeichnung für die Pollenallergie, die in der Medizin auch unter den Begriffen allergische Rhinokonjunktivitis oder saisonale allergische Rhinitis bekannt ist[2]. Sie bezeichnet eine Überreaktion des Immunsystems auf Bestandteile von Eiweißen verschiedener Pflanzenpollen (Blütenstaub) in der Umgebungsluft, sogenannte Aeroallergene.

Die Pollenallergie ist die häufigste Allergieform und tritt, wie der Name saisonale allergische Rhinitis bereits vermuten lässt, nur saisonal – vor allem zur Zeit des Pollenflugs im Frühling und Sommer – auf. In milden Wintern kann es jedoch vorkommen, dass Pflanzen, wie die Hasel, schon frühzeitig blühen, weshalb sich Heuschnupfen bei Menschen, die gegen die Eiweiße der Hasel-Pollen allergisch sind, auch schon Ende Dezember bis Anfang Jänner einstellen kann.

 

Wie äußert sich Heuschnupfen?

Bei Menschen, die an Heuschnupfen leiden, setzt der Körper Entzündungsbotenstoffe, wie Histamin frei, wenn dieser mit den Aeroallergenen in Kontakt kommt. Je nach Schweregrad der Allergie kann sich diese unterschiedlich äußern. Typisch sind:

  • juckende, gerötete und tränende Augen (Bindehautentzündung),
  • geschwollene Augenlider und Nasenschleimhäute,
  • heftige Niesattacken, die sogar mehrere Minuten andauern können,
  • eine laufende oder verstopfte Nase,
  • sowie ein nicht erholsamer Schlaf
  • gefolgt von einer starken Müdigkeit am Tag,

Heuschnupfen kann sehr kräfteraubend sein und für Betroffene zur Zeit des Pollenflugs auch psychisch sehr belastend werden. Selten kann Heuschnupfen deshalb sogar ursächlich für die Entstehung einer Depression sein. Häufiger hingegen (etwa 40 %) ist Heuschnupfen ursächlich für die Entstehung von allergischem Asthma (die häufigste Form von Asthma bronchiale), wenn die Allergie ungeachtet über mehrere Jahre besteht. Eine bestehende Pollenallergie sollte deshalb nicht ignoriert werden[3].

 

Was ist eine Allergie?

Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems, die durch den Kontakt mit eigentlich harmlosen Substanzen aus der Umwelt ausgelöst wird. Die allergieauslösenden Stoffe werden als Allergene bezeichnet und können unterschiedlichster Natur sein. Häufig handelt es sich zum Beispiel um Pflanzenpollen, um die Haare oder den Speichel von Haustieren und um den Kot von Hausstaubmilben.

 

Wie entsteht eine Allergie?

Heute kennen wir verschiedene Allergietypen. Die Pollenallergie zählt zu den allergischen Reaktionen vom Soforttyp, die gemäß der Viertypen-Einteilung nach Coombs und Gell auch als Typ-1-Allergie bezeichnet wird[4].  Typ-1-Allergien zeichnen sich durch die Bildung von Antikörpern aus. In diesem Fall bildet das Immunsystem beim Erstkontakt Abwehrstoffe, sogenannte IgE-Antikörper gegen das entsprechende Allergen. Kommt der Körper erneut damit in Kontakt, werden Histamin und andere Botenstoffe freigesetzt, die in weiterer Folge die Symptome der Allergie auslösen[5]. Unterschiedlichste Ursachen, die für die überschießende Reaktion des Immunsystems verantwortlich sein können, werden in Fachkreisen noch diskutiert. Klar ist aber, dass genetische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von Allergien spielen[4].

 

Wie äußert sich eine Allergie?

Allergische Reaktionen können örtlich begrenzt oder am ganzen Körper auftreten. Je nach Schwere der Allergie und Ort des Kontakts mit dem Allergen können juckende, geschwollene, gerötete (Schleim-)häute, Hautausschläge, Bindehautentzündungen, Magen-Darm-Beschwerden, eine laufende oder trockene Nase mit teilweise starken Niesattacken sowie unspezifische, grippeähnliche Symptome auftreten. Auch ein vermehrter Hustenreiz und Atemnot sind möglich.

Eine Allergie kann aber auch eine akute Gefahr darstellen. Zum Beispiel dann, wenn es sich um eine Allergie vom Typ-1 handelt, die den gesamten Organismus erfasst. Sie kann zu einem anaphylaktischen Schock führen, der einen akuten lebensbedrohlichen Zustand darstellt[4].

 

Kann CBD bei Heuschnupfen und anderen Allergien helfen?

Einige Forschungsgruppen befassen sich bereits mit der Frage, ob CBD bei Allergien helfen kann. Die Ergebnisse einiger spannenden Studien rund um das Thema CBD und Heuschnupfen stellen wir Ihnen im Folgenden kurz vor.

CBD Forschung zu allergischem Asthma

Allergene können eine klinische Entzündung der Atemwege, eine bronchiale Hyperreaktivität (also eine übermäßig starke Reaktion auf einen Reiz) sowie eine reversible Obstruktion der Atemwege hervorrufen.

Im Jahr 2015 stellten Vuolo et al die These auf, dass CBD die entzündlichen Prozesse bei allergischem Asthma beeinflussen kann. In einem präklinischen Experiment untersuchten sie das entzündungshemmende Potenzial von CBD in diesem Zusammenhang. Es zeigte sich, dass CBD die Serumspiegel beinahe aller untersuchten Zytokine senken konnte.  Die Forscher schlussfolgerten daher, dass CBD das Potenzial hat, die Entzündungsreaktion von allergischem Asthma zu beeinflussen[6].

Aufgrund der Annahme, dass CBD über die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2, die sich im Zentralnervensystem beziehungsweise in den Immunzellen befinden, immunmodulatorische Effekte auslösten könnte, untersuchten Vuolo et al (2019) die Auswirkungen von CBD in einem weiteren präklinischen Experiment an Mäusen mit allergischem Asthma. Es zeigte sich, dass CBD unabhängig von der Dosierung die Hyperreaktivität der Atemwege verringerte, während die statische Lungenaktivität nur bei hoher Dosierung abnahm. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass CBD in diesem Tiermodell die Entzündungs- und Umbauprozesse in der Lunge, die durch allergisches Asthma entstehen, verringern konnte und sehen in CBD eine mögliche künftige Behandlungsoption bei allergischem Asthma[7].

CBD bei allergischer Kontaktdermatitis untersucht

Die Erkenntnis, dass Phytocannabinoide Entzündungsreaktionen beeinflussen können, indem sie die Zytokin-Produktion regulieren, veranlassten Petrosino et al (2018) dazu, die Auswirkungen von CBD bei allergischer Kontaktdermatitis zu untersuchen.

Tatsächlich zeigte sich, dass CBD die Produktion wichtiger Entzündungsmediatoren, wie das Zytokin Interleukin-8 stark reduzierte. Mit dieser Studie lieferten Petrosino et al den ersten in-vitro Beweis der entzündungshemmenden Eigenschaften von CBD bei allergischer Kontaktdermatitis. Da dieser Beweis laut Petrosino et al die Durchführung weiterer Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet rechtfertigt, bleibt es spannend, welche Erkenntnisse dahingehend künftig noch gewonnen werden[8].

Studien zeigen: CBD könnte schlaffördernde Eigenschaften haben

Nicht selten raubt Heuschnupfen Betroffenen zur Zeit des Pollenflugs wertvollen Schlaf. Ob CBD in diesem konkreten Fall Abhilfe verschaffen kann, wurde bislang nicht untersucht. Allgemein gibt es jedoch schon einige Forschungsarbeiten, die das Thema CBD und Schlaf beleuchten und tatsächlich deuten erste Hinweise daraufhin, dass das nicht-psychoaktive Extrakt der Cannabispflanze schlaffördernde Eigenschaften haben könnte[9].

In unserem Artikel „Mit CBD besser schlafen: Cannabidiol als Geheimtipp? erfahren Sie noch mehr zu diesem Thema.

Die psychische Komponente des Heuschnupfens – kann CBD helfen?

Wie eingangs bereits erwähnt, kann Heuschnupfen darüber hinaus sehr kräfteraubend sein und auch eine starke psychische Belastung für Betroffene darstellen. Selten kann Heuschnupfen deshalb auch ursächlich für die Entstehung einer Depression sein.

Welche Erkenntnisse es zu diesem Thema von Seiten der Wissenschaft sowie aus praktischen Erfahrungen bereits gewonnen werden konnten, haben wir für Sie im Artikel CBD bei Depressionen – Studien und Erfahrungen aufbereitet. Zusammengefasst lässt sich aber sagen, dass antidepressive Eigenschaften des Cannabinoids zwar schon nachgewiesen werden konnten, dessen Erforschung in vielerlei Hinsicht, wie zum Beispiel der Klärung des Wirkmechanismus, aber noch am Anfang steht.

 

Tipps und Hausmittel bei Heuschnupfen

Inhalation mit ätherischen Ölen

Eines der effektivsten Hausmittel bei Heuschnupfen ist die Inhalation von Wasserdampf, um die Atemwege zu befeuchten und verstopfe Nasen zu befreien. Zusätzlich können ein paar Tropfen ätherisches Öl hinzugefügt werden.

Achtung: Achten Sie bei der Auswahl des Zusatzes auf potenziell enthaltene Allergene! Asthmatiker sollten vorab außerdem mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, welche Inhalationstechnik und welche Zusätze für sie geeignet sind[10].

Aufenthalt in geschlossenen Räumen und Verwendung von Luftfiltern

Wenn Sie Ihre Fenster schließen, geht die Pollenkonzentration schon nach etwa 10 Minuten um circa 1 % des Außenwertes zurück. Zusätzlich können Pollenschutzgitter installiert werden, um regelmäßiges Lüften oder sogar das Schlafen bei offenem Fenster zu ermöglichen. Darüber hinaus haben sich spezielle Luftreiniger bewährt. Diese können nicht nur Pollen, sondern auch Haare und Staub aus der Luft entfernen.

Tipp: Wenn Sie ein Auto besitzen, denken Sie an den regelmäßigen Wechsel des Pollenfilters. Natürlich kann dieser seinen Dienst aber nur verrichten, wenn die Fenster Ihres Autos während der Fahrt auch geschlossen bleiben[11].

Pollen im Wohnraum reduzieren

Häufiges Saugen und Staubwischen ist im Wohnraum eines Pollenallergikers Pflicht. Allerdings sollten diese Tätigkeiten den Nicht-Allergikern im Haushalt überlassen werden und am besten dann stattfinden, wenn jener nicht zu Hause ist, da Pollen währenddessen erneut aufgewirbelt werden. Alternativ können Sie diese Tätigkeiten mit Feinstaubmaske (FFP3) verrichten[2].

Wohnraum von Pollen befreien, Staubsauger in Nahaufnahme auf beigen Teppich

Für einen erholsamen Schlaf achten Sie außerdem darauf, Straßenkleidung außerhalb des Schlafzimmers abzulegen und frisch gewaschene (Bett-)wäsche nicht im Freien oder vor dem geöffneten Fenster zu trocknen. Denn an nassem Stoff, haften Pollen besonders gut. Vor dem Zubettgehen empfiehlt sich außerdem eine gründliche Dusche inklusive Haarwäsche.

Aufenthalt im Freien – Nutzen Sie Pollenwarn-Systeme

Mit Hilfe der heutigen technischen Mittel lassen sich Urlaube, Ausflüge und Aktivitäten im Freien besonders gut planen. Ähnlich dem klassischen Wetterbericht, gibt es heute zahlreiche Möglichkeiten sich über den aktuellen Pollenflug zu informieren. In Österreich und Deutschland können Sie diesen zum Beispiel über den Pollenwarndienst der Medizinischen Universität Wien abrufen. Praktisch für unterwegs gibt es dieses Service auch als kostenlose Pollen-App für Ihr Smartphone. Neben Österreich und Deutschland ist die Pollenwarn-App auch für folgende Regionen verfügbar:

  • Schweiz
  • Schweden
  • Spanien
  • Großbritannien
  • Südtirol.

Darüber hinaus können Sie sich in den meisten Apotheken einen kostenlosen Pollenflugkalender abholen.

(Post-)Regenspaziergänge genießen

Für Heuschnupfen-Geplagte ist die ideale Zeit für einen Spaziergang übrigens bei Regen und in der kurzen Zeit danach. Denn Regen verringert die Pollenkonzentrationen in der Luft und lässt sie dadurch auch während der Pollenflugsaison einmal wieder im Freien durchatmen.

 

Fazit

Auch wenn der Frühling nicht für Alle ein Grund zur Freude ist, so gibt es einige Tipps und Hausmittel die Heuschnupfen-Geplagten die pollenreiche Jahreszeit erleichtern können. Unabhängig davon geben präklinische Studien bereits erste Hinweise über Rolle, die CBD für Allergiker künftig noch spielen könnte. Es bleibt abzuwarten, welche Erkenntnisse in weiterführenden Studien künftig noch gewonnen werden können.

 

Die Inhalte unseres HANFAMA Magazins dienen lediglich der Aufklärung und Informationsweitergabe rund um das Thema Cannabis. Wir prüfen unsere Informationen genau und zitieren nur aus verifizierten Quellen. Trotzdem erheben unsere Texte keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität.

 

Referenzen

[1] Sinowatz, F. (2020, 06. März). Heuschnupfen. Netdoktor. https://www.netdoktor.at/krankheiten/heuschnupfen/

[2] Antwerpes, F. (2021, 21. Mai). Heuschnupfen. DocCheck Flexikon. https://flexikon.doccheck.com/de/Heuschnupfen

[3] Sinowatz, F. (2020, 05. März). Heuschnupfen: Symptome. Netdoktor. https://www.netdoktor.at/krankheiten/heuschnupfen/symptome/

[4] Allergie: Symptome, Behandlung und mehr. (n.d.). Netdoktor. https://www.netdoktor.at/krankheiten/allergie/

[5] Redaktion Gesundheitsportal. (2021, 19. März). Allergie: Was ist das?. Gesundheit.gv.at. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs. https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/allergie/was-ist-das

[6] Vuolo, F., Petronilho, F., Sonai, B., Ritter, C., Hallak, J. E., Zuardi, A. W., Crippa, J. A., & Dal-Pizzol, F. (2015). Evaluation of Serum Cytokines Levels and the Role of Cannabidiol Treatment in Animal Model of Asthma. Mediators of inflammation2015, 538670. https://doi.org/10.1155/2015/538670

[7] Vuolo, F., Abreu, S. C., Michels, M., Xisto, D. G., Blanco, N. G., Hallak, J. E., Zuardi, A. W., Crippa, J. A., Reis, C., Bahl, M., Pizzichinni, E., Maurici, R., Pizzichinni, M., Rocco, P., & Dal-Pizzol, F. (2019). Cannabidiol reduces airway inflammation and fibrosis in experimental allergic asthma. European journal of pharmacology843, 251–259. https://doi.org/10.1016/j.ejphar.2018.11.029

[8] Petrosino, S., Verde, R., Vaia, M., Allarà, M., Iuvone, T., & Di Marzo, V. (2018). Anti-inflammatory Properties of Cannabidiol, a Nonpsychotropic Cannabinoid, in Experimental Allergic Contact Dermatitis. The Journal of pharmacology and experimental therapeutics365(3), 652–663. https://doi.org/10.1124/jpet.117.244368

[9] Shannon, S., Lewis, N., Lee, H., & Hughes, S. (2019). Cannabidiol in Anxiety and Sleep: A Large Case Series. The Permanente journal, 23, 18–041.

[10] Eckes, T. (2020, 30. Juli). Richtig inhalieren – so geht’s. Apothekenumschau. Unabhängige Gesundheitsinformation. https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/infektionskrankheiten/richtig-inhalieren-so-geht-s-708809.html#fuer-wen-ist-inhalieren-nicht-geeignet

[11] Praktische Tipps bei einer Pollenallergie (n.d.). Pollenwarndienst.at. https://www.pollenwarndienst.at/allergie/praktische-tipps.html

 

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Christina Strzalka hat Gesundheits- und Krankenpflege und Health Assisting Engineering studiert. Sie hat einen engen Bezug zu Gesundheitsthemen und eine große Begeisterung für Innovationen. Für die LeserInnen des HANFAMA Magazins durchforstet sie wissenschaftliche Datenbanken und arbeitet sich gerne in komplexe Sachverhalte ein, die sie in verständlicher Art und Weise für Sie aufbereitet. Mit großer Leidenschaft recherchiert sie zu medizinischen und naturwissenschaftlichen Themen und berichtet über Neuigkeiten aus der Welt der Forschung. Ihr Motto: Wege entstehen dadurch, dass man sie geht (Franz Kafka).